Berichte - Full-Trimix-Ausbildung 2011

von in der DekoJörg-Peter Klaus

Seitdem wir, Matthias, Thomas und ich, uns mit dem Tauchen mit verschiedenen Gasen beschäftigen, war eigentlich klar, dass auch irgendwann diese Ausbildung anstehen würde. Die ersten Schritte waren mit Advanced Nitrox und dem Gasblender schon getan.

Und dann kam die Gelegenheit zum Full-Trimix ganz schnell. Wir haben nicht lange darüber nachgedacht, sondern sofort zugegriffen.

Zur Ausbildung in Theorie und diversen Praxisübungen mieteten wir uns vom 14.1. bis 16.1.2011 zusammen mit unserem Ausbilder und noch einem weiteren schon zertifizierten Trimix-Taucher ein Haus in Hemmoor am See.

Hier arbeiteten wir von morgens bis in die Nacht und büffelten Theorie. Dazwischen wurden jeweils Ausbildungstauchgänge absolviert, die keineswegs entspannend waren.

¨Sportlich¨ war das ganze, da die Temperaturen nahe 0 Grad C waren und die Wassertemperatur im See 4 Grad C durchgehend war. Das Wochenende schloss dann auch mit der Prüfung in Theorie und unserem ersten Trimix-Tauchgang.

Der nächste Schritt in Richtung Praxisprüfung begann mit der Planung, diese Anfang März (vom 4.3. bis 7.3.2011) im Bodensee abzulegen. Hotelzimmer waren schon reserviert, das Wetter machte uns aber einen Strich durch die Rechnung.

Zum Glück, kann man nur sagen.

Denn das Ziel wurde neu definiert: Das Wrack der "VLCC Amoco Milford Haven" an der Küste von Arenzano, einem kleinen Ort in der Nähe von Genua. Das gefiel uns. Das gefiel uns sogar sehr gut. Wer kennt dieses Wrack nicht aus der Presse.

Die Spannung und die Vorfreude stiegen an. Wir mieteten uns einen VW-Bus, um uns drei und etwa 800 kg Ausrüstung in einer Nachtfahrt nach Italien zu bringen.

Den Tag zuvor mischten wir uns in unsere D12 und D18 entsprechende Mischungen, da wir für die beiden ersten Tauchgänge Vorgaben vom Ausbilder erhalten haben. Ebenso füllten wir die 80-cft-Stages mit Triox und mit 100 % Oxygen.Abtauchen mit 15 m pro Minute

Am Donnerstagabend um 19.00 Uhr wollten wir losfahren, rein rechnerisch mussten wir eine Strecke von ca. 1.350 km bzw. 14-15 Stunden Autofahrt bewältigen. Als Treffpunkt hatten wir meine Adresse festgelegt, da diese zentraler liegt. Matthias war pünktlich da, Thomas hatte am Selenter See noch ein Date mit den Polizeifotografen, so dass wir erst um 20.30 Uhr loskamen.

Die Fahrt nach Italien war problemlos, vormittags gegen 10.00 Uhr waren wir schon am Hotel. Unser Ausbilder hatte noch einen Tauchfreund dabei, seines Zeichens Sanitäter und ebenfalls Trimixtaucher. Nach einer abendlichen Besprechung über den Ablauf in den nächsten Tagen begannen wir noch am Freitag Abend mit der Planung des Tauchgangs für den Sonnabend Morgen.

Ziel war die 60-m-Marke als Multilevel-Tauchgang. Dazu berechneten wir unsere Runtime und bereiteten alles für den nächsten Morgen vor. Zur Planung gehörte ebenfalls eine schriftliche Ausarbeitung inklusive Notfallmaßnahmenplan etc., die unser Ausbilder zu seinen Unterlagen nahm.

Und dann ging es los. Endlich!
Die Tauchbasis befindet sich direkt am Hafen. Das Boot braucht etwa 5 Minuten, um die 1,5 Seemeilen bis zum Wrack zu bewältigen. Das Wrack, wegen des abgebrochenen Bugs immerhin "nur" noch ca. 270 m lang, beginnt mit den Aufbauten bei 33 m. Der Schornstein ist wegen der Schifffahrtsbewegungen auf dieser Ebene abgetrennt worden.

Die "Haven" steht auf etwa 83 m aufrecht auf dem Grund. Nur die oberen Ebenen sind von Sporttauchern erreichbar. Selbst das Hauptdeck befindet sich schon auf 55 m Tiefe. An diesem Wrack wird ausschließlich mit Guide getaucht. Solotauchgänge oder Tauchgänge ohne Guide sind nicht erlaubt. Zum Trimix-Tauchen benötigt man eine gültige Lizenz oder es muß, wie in unserem Fall, ein Ausbilder mit der entsprechenden Genehmigung zum Trimix-Tauchen dabei sein.

Der Sonnabend ist offensichtlich ein beliebter Tauchtag, denn das Boot war trotz nicht so guten Wetters bis auf den letzten Platz voll. Man kann aber nicht sagen, das es total eng war. Habe schon schlimmeres erlebt.

Die Haven vor der Küste von ArenzanoAlso, und los ging es. Die Tauchplanung war wie folgt: Treffen an der Boje des Seils zum Wrack, abtauchen auf 6 m, Bubble-Check, und dann ging’s runter mit 10-15 m pro Minute. Die Multilevelstufen: 33 m (Grundzeit 8 Minuten), dann auf 40 m (Grundzeit 2 Minuten),
dann auf 55 m (Grundzeit 5 Minuten), weiter auf 60 m (Grundzeit 2 Minuten), dann Aufstieg auf 55 m (Grundzeit 9 Minuten). Est danach begann der eigentliche Aufstieg. Das ergab eine Gesamt-Tauchzeit von 82 Minuten, davon schon allein 14 Minuten Deko auf 3 m.

Während des Tauchgangs wurden in verschiedenen Tiefen diverse übungen gemacht und penibel darauf geachtet, das die Runtime eingehalten wird. Vom Wrack sahen wir leider nicht allzu viel, da am Sonnabend die Sicht extrem schlecht und zudem auch noch Strömung war. Das Wasser hatte 14° C, was natürlich sehr angenehm war.

Die typische Mittelmeer-Dünung mit den lang gezogenen Wellen tat aber ihr übriges. Dekostops in 3 m, 2 m und 1 m waren kaum zu halten. Die Tauchbasis ist aber professionell genug und hat in den entsprechenden flachen Bereichen ein paar Stangen mit Grundgewichten zu Wasser gebracht (Dekoleiter), an denen man sicher seine Deko machen kann. Zudem hing auch immer eine Reserveflasche bereit für den Fall der Fälle. Wenn jemand Oxygen brauchte, musste man eine Boje mit dem Gas-Wunsch hochschicken. Postwendend kommt dann eine Flasche mit Sauerstoff runter. Alles sehr gut organisiert.

Zurück am Hafen und an der Basis wurde die Ausrüstung gründlich gespült und ein Debriefung durchgeführt. Danach ging es zurück ins Hotel, man zog sich um und versuchte, mittags was zu essen zu bekommen, leider nicht ohne große Schwierigkeiten. Die Italiener essen mittags um 12 und haben bis frühen Nachmittag die Restaurants dicht. Außerdem ist um die Jahreszeit keine Saison, was die Sache nicht gerade vereinfacht.
Also schlichen wir mit knurrendem Magen und zunehmend schlechter werdenden Laune durch die Gassen und freuten uns dann über eine Handpizza und ein Bier. Abends fanden wir ein nettes Restaurant, in dem es Pizzen von der Größe 35 cm Durchmesser gab, frisch im Steinofen gebacken. Sehr lecker und sättigend. Ach ja, Nudeln sind nämlich eine Vorspeise in Italien.

Vollgefuttert und zufrieden mit allem machten wir abends im Hotel unsere Planung des Tauchgangs für den nächsten Tag in gewohnter Aufwendigkeit wie am Vortag.

Die Tauchgangsplanung für Sonntag war wie folgt: Tiefe 72 m, Grundzeit 10 Minuten, Aufstieg auf 55 m, Grundzeit 10 Minuten. Gasgemisch war ein TX 14/67, Travelgas und Dekogas Triox 50/25 und 100% Oxygen, Gesamttauchzeit 83 Minuten.

Diesmal hatten wir Glück. Kein Seegang, gute Sicht, das Boot hatten wir für uns allein und wir haben das Wrack als solches erstmals in seinen Dimensionen erkannt. Man kann sich das gar nicht vorstellen, wie riesig dieses Schiff ist. Auch dieser Tauchgang hatte natürlich seine übungseinlagen, z.B. ab 21 m nach dem Gaswechsel den Hebesack schießen und sich dann innerhalb der Runtime Meter für Meter hochzuarbeiten und dann an irgendeinem Stop den Walvedrill zu vollziehen und dabei auf vernünftige Lage im Wasser zu achten.

Der dritte Tauchgang am Montag war dann schon wieder grenzwertig. Es gab eine Sturmwarnung für Dienstag und die Vorboten waren schon montagmorgens zu spüren. Der Himmel war nicht mehr blau, von den Bergen zog eiskalte Luft herunter und das Meer wurde zunehmend unruhig. Da wir aber schon früh rausfuhren, entkamen wir dem zunehmenden Wind. Auch am Montag hatten wir das Boot wieder für uns alleine. Jede Menge Platz. Da wir am Sonntag und am Montag erstmals mit D18 tauchten, waren wir auch froh über das Platzangebot. Die Dinger sind wirklich sauschwer, haben aber eine bessere Lage im Wasser als eine D12.

Der Tauchgang und damit die letzte Praxisprüfung an diesem Tag war wie folgt: Maximale Tiefe 60 m, Grundzeit 10 Minuten, dann Aufstieg auf 55 m, Grundzeit 13 Minuten, TX 18/45, Stage 50/25 und 100% Oxygen. Auf 55 m musste der arme Thomas seine Maske hergeben und zwei Minuten durchhalten. Wir alle mussten ebenfalls auf der Tiefe den Walvedrill vollziehen und zwar zügig. Da hat Thomas mit nicht einmal 45 Sekunden den Vogel abgeschossen. Aber wir wissen ja, das er schnell ist .

Der Tauchgang endete an der Oberfläche nach 73 Minuten. Da die See schon rauer wurde, mussten wir schauen, schnell in den Hafen zurückzukommen. Hier folgte dann das Debiefing und nachdem wir unsere Ausrüstung verstaut hatten für die Rückreise eine Abschlussbesprechung.

Danach luden wir das Auto voll und wurden dann, die Spannung stieg ja, vom Ausbilder über den Stand der Dinge informiert:

ALLE HABEN BESTANDEN ! ! ! Jawoll.

Nachts um 4.00 Uhr am Dienstag Morgen waren wir wieder zuhause, Thomas wohl eine Stunde später. Das wir dieses Aktion erfolgreich abgeschlossen haben, ist eigentlich erst am nächsten Tag nach gründlichem Ausschlafen allen bewusst geworden.

Einzelne Werte für die, die es interessiert:

  • OTUs gesamt 273
  • TGs im Bereich von 17-28 END
  • Berechnungsgrundlage V-Planner Konservatismus Stufe 5
  • Gasverlustsituationen wurden für jeden TG mit in die Runtime aufgenommen